Goodbye Lost.

Blog / 25. Mai 2010

“I don’t believe in a lot of things, but I do believe in duct tape.” – Miles
Lost, Eye Opening
Ich verarbeite, während ich diese Zeilen schreibe, die letzten 105 Minuten LOST, welche ich gerade gesehen habe. Schon ein komisches Gefühl, über eine Fernsehserie zu schreiben. Aber immerhin eine Serie, welche mich seit 2005 ständig begleitet hat.

Ich weiss noch, ich hab damals durch die weite Welt des WWW gesurft, bin irgendwie in einem Filmforum gelandet und hab nur die Überschrift “LOST – WOW” gelesen – ein Klick und ich las die Worte von jemanden, welcher diese Show bereits als die beste Serie gelobt hat, welche soweit existiert. Fand ich etwas übertrieben – aber die Neugier hatte mich gepackt und ich gab der Serie, welche auf ProSieben damals ohne Ende mit mysteriösen Trailer promotet wurde dann doch eine Chance – und nach ca. 1 Minute war ich Lost auf der Insel.

Eine Typo fliegt auf uns zu, Bässe, der Text wird scharf, unscharf, LOST, mehr nicht – Schnitt – ein geschlossenes Auge, die Bässe werden lauter und lauter und enden mit einen schnellen Öffnen des Auges, Pupillen ziehen sich zusammen. Blick nach oben, Bambussträucher ragen in den Himmel, wir sehen einen Mann am Boden liegen, während sich die Kamera von ihm entfernt. Er trägt einen Anzug sichtlich verwirrt. Rascheln. Ein Hund. Der Mann im Anzug ist verwirrt, der Hund läuft weg. Er steht auf, fasst sich an die linke Seite, eine Wunde. Er schwankt durch die Büsche, seine Kräfte steigen. An einen Baum hängt ein Schuh.
Er kommt an einen Strand, weisser Sand, blauer Himmel, klares Wasser – und Schreie – er blickt nach links und läuft. Wir sehen ihn von der Seite, nach und nach wird das lagunenartige Paradies in eine Hölle aus Flugzeug und Körperteilen…

Aufgeklärt wurde nun in der 120/121. Episode eigentlich recht wenig. Brauchte es auch nicht, denn wenn man die Folgen aufmerksam beobachtet hat, weiss man eigentlich im Rückblick dass eigentlich alles aufgeklärt wurde und (fast) alle Geheimnisse der Insel durch eigene Kombinationsgabe gelöst sind. Nun, nicht ganz alle, denn WAS die Insel ist bleibt ungeklärt … aber auch das ergibt Sinn nach dem Sehen der letzten Folgen. Die einzige Frage welche für mich jetzt offen bleibt ist: Was schaue ich jetzt?

Es wird wohl eine lange Zeit vergehen bis ich wieder auf eine Serie stoße, welche ein solches Suchtpotential bietet. Als Methadon könnte ich Breaking Bad anbieten, wo ein mehr oder weniger erfolgloser Chemielehrer nach einer Lungenkrebsdiagnose anfängt professionell Crystal Meth zu kochen. Oder Fringe, kommt von J.J.Abrams (wie Lost), erinnert an X-Files, ist aber kein Klon der Serie (wie viele meinen) und ab Mitte der Season 1 wird klar, dass auch hier von Anfang an auf einen Hauptplot hingearbeitet wird. Nun, man könnte jetzt auch noch Heroes nennen, allerdings hat diese Serie ihren Zenith nach Season 1 erreicht und ist danach über 3 Staffeln steil abgesunken. Ansonsten … Moment, hier ging es um Lost, oder?

Noch kurz meine Meinung zum Abschluss der Serie (wer es nicht gesehen hat, sollte nicht weiterlesen):
Ich fand es gut. Viele nicht, aber is mir eigentlich recht egal. Gut, es war kitschig am Ende, so kam mir dieses Kirchending doch etwas mehr wie ein Zugeständnis an die Fans vor, alle sind glücklich und sehen sich wieder. Und tot ist an diesen Abend auch nicht mehr tot. (Oder vielleicht doch? Hab ich da nicht Licht zwischen den Engeln gesehen? Wie auch immer…).
“They are here to remember, they are here to let go”
Wäre Lost so geendet, ich wäre enttäuscht gewesen, aber dafür sind ja Paralleldimensionen da, sie laufen Parallel zum wichtigen Teil. Dem Teil wo Jack (inzwischen ohne Anzug), verletzt an der rechten Seite, zur Happy End Musik durch den Bambuswald läuft, einen Baum mit einem alten Schuh streift und sich hinlegt. Ein Hund kommt, legt sich zu ihm. Jack schaut in den Himmel, lächelt als er etwas sieht. Er schliesst die Augen. Lost.

Der Kreis ist geschlossen. Und das beste: Weder auf der Insel, noch in der Happy End Zuckerwatten Welt mit Kirche ist Potential da um ein Spin-Of zu produzieren. Und das ist doch wirklich ein Happy End. Hoffen wirs.

Achja, vielleicht sollt ich es noch erwähnen, im anschliessenden Lost Special haben die Produzenten Damon Lindeloff und Carlton Cuse noch ein paar mehr oder weniger ernstzunehmende Alternative-Endings gezeigt:

(via 5FF, wo das Finale komplett zerissen wird. Allerdings weiss ich auch dass der Autor die Serie nach Season Eins geskippt hat und seit dem kein gutes Blatt an ihr gelassen hat. Nicht abschrecken lassen.)

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